UNICEF-Studie als Warnsignal: Wilhelmshaven muss Prävention, Kitas und Jugendhilfe weiter stärken

Die aktuelle UNICEF-Studie zum Kindeswohl in Industrieländern sieht Deutschland trotz seiner wirtschaftlichen Stärke nur noch auf Platz 25. Besonders kritisch bewertet werden die starke Abhängigkeit von Herkunft und Einkommen sowie die ungleichen Chancen vieler Kinder auf gute Bildung und Entwicklung.

Für die WIN@WBV sind diese Ergebnisse auch für Wilhelmshaven ein deutliches Warnsignal. Dazu erklärt Olaf Fischer, Ratsmitglied der WIN@WBV sowie Mitglied im Jugendhilfeausschuss: 

„Die Entwicklungen, die UNICEF beschreibt, erleben wir längst auch in Wilhelmshaven. Kita-Leitungen und pädagogische Fachkräfte berichten seit Jahren von zunehmenden emotionalen, sozialen und sprachlichen Herausforderungen bei Kindern. Gleichzeitig gelingt es immer häufiger nicht, Familien frühzeitig ausreichend zu erreichen.“ 

Besonders kritisch sieht WIN@WBV die Entwicklung der Jugendhilfekosten. Das jährliche Defizit der Jugendhilfe in Wilhelmshaven soll nach aktuellen Planungen von derzeit rund 52 Mio. Euro auf voraussichtlich 72 Mio. Euro bis zum Jahr 2029 steigen. 

„Immer höhere Ausgaben allein lösen die strukturellen Probleme nicht“, so Fischer weiter. „Teuer wird es vor allem dann, wenn Schwierigkeiten bereits massiv ausgeprägt sind. Deshalb brauchen wir deutlich stärkere Investitionen in frühe Förderung, Prävention sowie gut vernetzte Unterstützungsstrukturen.“ 

Im Jugendhilfeausschuss sei zuletzt im Rahmen der Fortschreibung des Kitabedarfsplans deutlich geworden, dass Wilhelmshaven beim Ausbau der Betreuungsplätze in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt habe. „Der Ausbau der Kitaplätze war ein enormer Kraftakt und darauf kann die Stadt stolz sein. Jetzt muss aber stärker die Qualität des Kita-Alltags in den Mittelpunkt rücken. Die Hinweise der Leitungen und Fachkräfte müssen dabei ernst genommen werden. Diese Diskussion kam im Ausschuss zu kurz“, erklärt Fischer. 

Nach Auffassung von WIN@WBV müssen insbesondere

•           die personelle Ausstattung der Kitas,

•           die frühzeitige Unterstützung von Familien,

•           eine verlässliche digitale Kommunikation mit Eltern

•           sowie die bessere Vernetzung von Kita, Jugendhilfe und Beratungsangeboten

künftig stärker an der Lebenswirklichkeit der Kinder orientiert werden.

„Frühes und strukturelles Handeln ist nicht nur pädagogisch sinnvoller, sondern langfristig auch finanziell vernünftiger“, so Fischer abschließend. „Die entscheidende Frage lautet nicht nur, was Maßnahmen heute kosten – sondern welche gesellschaftlichen und finanziellen Folgen entstehen, wenn wir jetzt nicht konsequent handeln.“

17.05.2026